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![]() Einladungskarte Genacktet Galerie SchauRaum für Zeitgenössische Kunst,
![]() ![]() Fotos der Vernissage, Freitag, 9. Februar 2001 ![]() Rede von Galerist Eckart Keller Presse - Hamburger Abendblatt Fotos der Finissage, Sonntag, 25. Februar 2001 ![]() Genacktet ezwei /online-galerie www.ezwei.de |
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Genacktet Am Morgen des 17. Januar 1994 erwachte ich aus einem seltsamen Traum, den ich sogleich in ein Heftchen notierte: Ich zog mit einer Horde Menschen demonstrierend durch die Innenstadt einer großen Metropole. Wir schwenkten Spruchbänder, schrien knackige Parolen und veranstalteten ein größes Getöse. Der eigentliche Anlaß der Demo war aber völlig sinnlos, es ging mehr um den Spaß am Protestieren überhaupt, und darum, sich über normale, d.h. zielgerichtete Protestmärsche lustig zu machen. Der Traum beschäftigte mich tagelang. Ich spielte sogar mit dem Gedanken, selbst eine sinnlose Demo anzuzetteln, gegen grüne Gummibärchen oder Ikea-Stehlampen, um den seltsamen Traum Realität werden zu lassen. Aus Feigheit oder Faulheit oder beidem ließ ich davon ab. Drei Monate später siedelte ich zwecks Kunststudium nach Hamburg um. Dort stellte sich heraus, daß mein Traum eine handfeste Zukunftsversion gewesen war: Ich lernte Christian 3 Rooosen kennen und erinnerte mich, daß ich mir anfangs sicher war, ihm bereits vorher begegnet zu sein, wußte aber nicht mehr wie und wo. Inzwischen bin ich mir sicher: Ich kannte ihn aus eben jenem Traum! Dieser Typ hatte nun im Gegensatz zu mir den Mumm, seine abstruse Idee einer Demo gegen Menschen tatsächlich in die Tat umzusetzen. Gern wollte ich mittun. Und so stand ich bereits kurz darauf, ein Protestbanner mit der Aufschrift Ich bin gegen mich! in der zitternden Hand, inmitten eines johlenden Häufleins Gleichgesinnter, alle abgefüllt mit 50% Adrenalin und 50% Scham. Eskortiert wurden wir von einigen motorisierten Polizisten, angeglotzt von zumeist völlig verständnislosen Shopping-Omas, manche schrien auch etwas über die Verschwendung ihrer Steuergelder. Wer also ist dieser Mensch, der da uns allen voranschritt, menschen- verachtende Parolen ins Megaphon bellend und mit seinem selbst- gebastelten Anti-Menschenhut an eine Mischung aus apokalyptischen Racheengel und einer Putzfrau erinnerte? Ein altes Sprichwort besagt, daß sich die wahre Seele des Menschen in seinem Lachen spiegele. Vielleicht ist dies der Ansatz, der Person 3 Rooosen etwas näher zu kommen. Also: Zunächst stößt er immer eine erste kurze, trockene Lachsalve aus, meistens bestehend aus drei Einzel-Lachern im Kater Karlo-Stil: Harr, Harr, Harr. Danach verhält sich der Künstler ca zwei Sekunden völlig still, den Mund und die glasigen Augen weit aufgerissen. Es folgt der eigentliche Lachanfall, der aber von Menschen, die ihn nicht kennen, gar nicht eindeutig als solcher zu identifizieren ist, besteht er doch aus einem langen geräuschvollen Einatmen - wie ein Asthmatiker im Todeskampf. Bei der genaueren Analyse eines solchen Lachens werden sicherlich keine interessanten Seelenlandschaften zutage treten, sondern eher moderige Abgründe, mit denen sich auseinanderzusetzten wohl eher die Aufgabe eines gut geschulten Therapeuten ist. Wir wollen also der Analyse entsagen und uns stattdessen endlich dem zuwenden, um was es hier eigentlich gehen soll. Genacktet - Ein beknacktes Buch mit neuen Einstrich-Zeichnungen. Sagte ich Zeichnungen? Ha! Jemand wie ich, dessen ganzes Ansinnen es beim Zeichnen ist, seine Figuren anatomisch korrekt und möglichst seelenvoll blickend vor zumeist sündhaft verfrickelten Hintergründen zu plazieren, der ständig die Balance schwarzer und weißer Flüchen abwägt und sich dauernd den Kopf darüber zerbricht, ob z.B. die Hauptdarstellerin mit 6 statt 5 Wimpern pro Lid noch hübscher wäre, jemand wie ich also muß beim Betrachten von 3 Rooosens Figurenwelt eher in hämisches Gelächter ausbrechen. Oder heimlich vor Neid erblassen. All diese deformierten, dämlichen, debil im leeren Raum herumstehenden Gebilde. Häßlich, abstoßend, nackt - auf den ersten Blick. Und doch: Ist da nicht ein fast lieblicher Zug auf dem, was ich für das Gesicht dieser mit halb erigierten Pimmeln verzierten Masse halte? Und warum erinnert mich eine andere, Ying-Yang-mäßig verschachtelte Figur total an meine alte Klassenlehrerin Frau Slowik-Brunschön? Und wieso überhaupt muß ich immer wieder innerlich auflachen, wenn ich die nächste Seite aufschlage und einer weiteren Schandtat dieses zynischen Linienziehers ansichtig werde? Weil er mich schon längst reingesogen hat in seine wahnsinnige Welt, mir das Hirn weichgekocht hat mit seinem kranken Humor. Und weil er eben doch kein so schlechter Zeichner ist, wie er immer wieder heuchlerisch beteuert, wenn er z. B. berichtet, daß der tiefere Grund für seine Einstrich-Technik der Umstand sei, daß ihm das ständige Anheben und Absetzen des Stiftes zu anstrengend sei. Nein, der Christian ist nicht faul. Das sagt er nur, um mich in Sicherheit zu wiegen, und plant währenddessen schon die nächste Schweinerei. Anti-Menschen-Demos waren nur der erste Schritt zur völligen Verrooosung der Welt. Welch ein Schreck fuhr mir jüngst in die Glieder, als ich nichtsahnend am pompösen Glasvorbau des Hamburger Mundsburg Centers vorbeiging, und mich plötzlich drei riesigen Einstrich-Zeichnungen gegenüber sah, die eine weiße Wand im Foyer zierten. Vermutlich ist er nachts heimlich dort eingestiegen, mit Pinsel und Farbe bewaffnet. Wahrscheinlich hat er aber sogar noch einen großen Haufen Geld dafür hinterher geschmissen gekriegt. Es würde mich nicht wundern, wenn auch den ehrwürdigen Turm des Michel bald eine riesige beleutete Einstrich-Zeichnung zieren würde. Und gegenüber, am anderen Ufer, läuft im Ex-Buddy-Holly-Zelt das große 3 Rooosen Einton-Musical an. Furchtbar, wenn man mit solcher Konkurrenz zukämpfen hat. In Demut, Calle Claus. |
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